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STEUER- UND SOZIALVERSICHERUNGSRECHT FÜR KÜNSTLERINNEN

FAQ - Jetzt erst RECHT! Basics for artists/Tipps für Künstler

EINKOMMENSSTEUERRECHT

 

Nicht selbständige Tätigkeit – selbständige Tätigkeit

Ein künstlerische Tätigkeit kann sowohl im Rahmen eines Dienstverhältnisses (= nicht selbständige Tätigkeit) als auch selbständig ausgeübt werden. Ein Dienstverhältnis liegt im wesentlichen immer dann vor, wenn eine Arbeitsverpflichtung über eine bestimmte oder unbestimmte Zeit besteht, eine Weisungsgebundenheit gegenüber dem Dienstgeber vorliegt, eine organisatorische Eingliederung hinsichtlich Arbeitszeit, Arbeitsort und Arbeitsmittel besteht, keine Möglichkeit gegeben ist sich vertreten zu lassen, sondern zur persönlichen Erbringung der Arbeit verpflichtet ist und wenn das Risiko eines Erfolges oder Misserfolges beim Dienstgeber liegt. Ein Sänger der einen Vertrag mit einem Opernhaus für eine bestimmte Spielzeit abschließt, ist bspw. nicht selbständig tätig.

Die selbständige Tätigkeit wird zwischen Künstler und Auftraggeber durch einen so genannten Werkvertrag begründet. Ein Werkvertrag ist dadurch gekennzeichnet, dass ein bestimmtes Werk geschuldet wird, keine Weisungsgebundenheit vorliegt, keine Regelungen hinsichtlich Arbeitszeit, Arbeitsort oder Arbeitsmittel vorliegen, eine Vertretungsmöglichkeit besteht und das Risiko hinsichtlich Erfolg oder Misserfolg beim Künstler liegt. Ein Bühnenbildner der mit einem Opernhaus die Lieferung des Bühnenbildes für eine bestimmte Aufführung vereinbart, ist bspw. selbständig im Rahmen eines Werkvertrages tätig.

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Künstlerische Tätigkeit – gewerbliche Tätigkeit

Eine künstlerische Tätigkeit ist nach der steuerlichen Rechtsprechung immer dann gegeben, wenn eine persönlich eigenschöpferische Tätigkeit in einem umfassenden Kunstfach (zB Malerei, Bildhauerei, Musik, Architektur) aufgrund künstlerischer Begabung entfaltet wird (vgl. Quantschnigg/Schuch, Einkommensteuerhandbuch, Wien 1993, 829 ff). Hinsichtlich der eigenschöpferischen Tätigkeit gibt es für Musiker, Dirigenten, Schauspieler und Regisseure eine Ausnahmen, da in diesen Bereichen auch reproduzierende Tätigkeiten als künstlerisch gelten (vgl. VwGH 14.11.1990. 90/13/0106).

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Einkommensgrenzen und Meldepflicht

Grundsätzlich ist innerhalb 1 Monats nach Aufnahme einer selbständigen oder gewerblichen Tätigkeit eine Meldung an das zuständige Finanzamt zu machen. Das zuständige Finanzamt ist vom Wohnsitz des Steuerpflichtigen abhängig. Für diese Meldung steht bei den Finanzämtern bzw. auf der Homepage des Bundesministeriums für Finanzen (Externe Verknüpfung www.bmf.gv.at) ein Formular zur Verfügung - Formular für natürliche Personen Verf 24.
Die Verpflichtung zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung an das zuständige Finanzamt ist immer dann gegeben, wenn

  • bei ausschließlicher selbständiger Tätigkeit der Gewinn pro Jahr denn Betrag von € 10.000,00 überschreitet oder

  • neben einer nicht selbständigen Tätigkeit eine Nebentätigkeit als Künstler als Selbständiger ausgeübt wird und bei dieser Nebentätigkeit der Gewinn pro Jahr € 730,00 überschreitet und das Einkommen insgesamt mehr als € 10.900,00 beträgt.

Werden ausschließlich Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit bezogen, so kann innerhalb von 5 Jahren eine Arbeitnehmerveranlagung durchgeführt werden.

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Aufzeichnungspflichten

Die Ermittlung des Gewinnes aus selbständiger Tätigkeit erfolgt durch eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung. Das heißt es werden alle Einnahmen und Ausgaben laufend erfasst und am Ende eines Jahres zusammengerechnet.
Werden nur Einkünfte aus nicht selbständiger Arbeit erzielt, so müssen die Belege über die Werbungskosten nach Gruppen zusammengerechnet werden.
Die Belege die der Gewinnermittlung bzw. dem Nachweis der Werbungskosten dienen, müssen 7 Jahre aufbewahrt werden.

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Einnahmen-Ausgaben

Einnahmen aus einer künstlerischen Tätigkeit sind bspw. Honorare, Sponsorgelder, Einnahmen aus der Abtretung von Urheberrechten. Als Ausgaben aber auch als Werbungskosten können bspw. folgende Kosten angesetzt werden: Abschreibung für Anlagegüter (zB Computer, Musiker - Musikinstrument usw.), Kosten für Arbeitszimmer bzw. Atelier, Ausbildungs-Fortbildungskosten, Beratungskosten, Bewirtungsspesen, Materialaufwand (zB. Maler - Farben, Leinwand, Pinsel usw.), Pflichtversicherungsbeiträge, Reisekosten (Kilometergeld, Tagesdiäten, Nächtigung) oder sollten die tatsächlich nachgewiesenen Kosten sehr gering sein, könnten auch pauschale Ausgaben (12% der Einnahmen bzw. höchstens € 26.400,00) bei der selbständigen Tätigkeit bzw. pauschale Werbungskosten (5% der Bemessungsgrundlage bzw. höchstens € 2.628,00 für Musiker, Bühnenangehörige und Fernsehschaffende) in Abzug gebracht werden.

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UMSATZSTEUERRECHT

 

Einnahmengrenze

Eine Verpflichtung eine Umsatzsteuer in Rechnung zu stellen und an das Finanzamt abzuführen, besteht immer erst dann, wenn die Einnahmen pro Jahr einen Betrag von € 30.000,00 überschreiten. Wobei diese Grenze als Nettogrenze anzusehen ist. Unterliegen die Umsätze einem Umsatzsteuersatz von 10% (was bei einer reinen künstlerischen Tätigkeit regelmäßig der Fall sein wird) so ist die Grenze daher € 33.000,00; im Falle eines Umsatzsteuersatzes von 20% liegt die Grenze bei € 36.000,00. Es besteht die Möglichkeit freiwillig auf die Anwendung der oben angeführten Grenze zu verzichten - stellt man diesen Antrag beim Finanzamt, ist man allerdings mindestens 5 Jahre daran gebunden.


Stellt man diesen Antrag oder hat man Einnahmen die die oben angeführten Grenzen übersteigen, so ist man Unternehmer iSd Umsatzsteuergesetzes. Die Konsequenz daraus ist, dass man einerseits Umsatzsteuer in Rechnung stellen muss und andererseits für die Ausgaben die in Zusammenhang mit der künstlerischenTätigkeit stehen Vorsteuern in Abzug bringen kann. Die Differenz aus Umsatzsteuer und Vorsteuer muss monatlich an das Finanzamt gemeldet und abgeführt werden.
In diesem Fall ist es notwendig bei der Meldung an das Finanzamt über die Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit eine Umsatzsteueridentifikationsnummer zu beantragen.

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Umsatzsteuersatz

Der Normalsteuersatz beträgt in Österreich 20%. Für einige im Gesetz angeführte Tätigkeit wird der Umsatzsteuersatz auf 10% ermäßigt; bspw. für die Umsätze aus der Tätigkeit als Künstler, für Theateraufführungen, für Filmvorführungen, für Musik- und Gesangsaufführungen.

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SOZIALVERSICHERUNGSRECHT

 

Einkommensgrenze für Sozialversicherungspflicht

Ob eine Sozialversicherungspflicht gegeben ist, hängt einerseits davon ab, ob ein Dienstverhältnis oder eine selbständige Tätigkeit vorliegt und anderseits davon ob bestimmte Einkommensgrenzen überschritten werden.

Im Falle eines Dienstverhältnisses hat immer der Dienstgeber für die Anmeldung und Abfuhr der Sozialversicherung zu sorgen. Eine Versicherungspflicht in der Kranken- und Pensionsversicherung tritt erst ein, wenn die Geringfügigkeitsgrenze (im Jahr 2011 € 374,02/ Monat) überschritten wird.
Wird ausschließlich eine selbständige künstlerische Tätigkeit ausgeübt, so ist der Künstler selbst verpflichtet eine Anmeldung bei der Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft durchzuführen, wenn er pro Monat einen Gewinn von mehr als € 537,78 bzw. pro Jahr einen Gewinn von mehr als € 6.453,92 erzielt. Wird diese Grenze unterschritten, so liegt keine Versicherungspflicht vor.
Allerdings besteht die Möglichkeit der Ausübung eines Optionsrechtes, auch bei Unterschreiten dieser Grenzen. Diese Option erstreckt sich auf die Unfall- und Krankenversicherung. Wer darüber hinaus noch pensionsversichert werden möchte, gibt der SVA bekannt, dass die voraussichtlichen Einkünfte über dem Grenzwert liegen werden. Aber Vorsicht: Die Beiträge werden keinesfalls rückerstattet, sollte man es sich unterjährig doch „anders überlegen".

Wird eine selbständige künstlerische Tätigkeit neben einem Dienstverhältnis ausgeübt, so tritt für diese selbständige Tätigkeit die Versicherungspflicht dann ein, wenn ein Gewinn vom mehr als € 374,02 pro Monat bzw. mehr als € 4.488,24 pro Jahr erzielt wird (diese Werte gelten für das Jahr 2011).

Bei vorliegen einer künstlerischen Tätigkeit, welche der Gewerbeordnung unterliegt und daher von der Finanzbehörde als Einkünfte aus Gewerbebetrieb qualifiziert wird, liegt generell Sozialversicherungspflicht nach dem GSVG vor.

 

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Beitragshöhe

Bei einem Dienstverhältnis beträgt der Sozialversicherungsanteil, den der Dienstnehmer tragen muss ca. 18,07%. Die Verpflichtung diesen Beitrag abzuführen liegt beim Dienstgeber.
Die Beiträge der selbständig Tätigen betragen im Jahr 2011 25,15% für die Kranken- und Pensionsversicherung, 1,53% für die Selbständigenvorsorgekasse und für die Unfallversicherung € 98,40 pro Jahr (diese Werte gelten für das Jahr 2011).


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Zuschuss

Für Künstler gibt es die Möglichkeit beim Künstler-Sozialversicherungsfonds einen Zuschuss zum Sozialversicherungsbeitrag zu beantragen. Der Antrag muss inklusive Lebenslauf und Nachweis über die künstlerische Tätigkeit an den Künstler-Sozialversicherungsfonds gestellt werden. Der Antrag kann 4 Jahre rückwirkend gestellt werden.

Die Voraussetzung für den Antrag ist, dass eine Tätigkeit als Künstler („Künstler ist, wer in den Bereichen der bildenden Kunst, der darstellenden Kunst, der Musik, der Literatur oder in einer ihrer zeitgenössischen Ausformung (insbesondere Fotografie, Filmkunst, Multimediakunst, literarische Übersetzung, Tonkunst) auf Grund seiner künstlerischen Befähigung im Rahmen einer künstlerischen Tätigkeit Werke der Kunst schafft") ausgeübt wird und dass das jährliche Einkommen einen Betrag von € 4.488,24 (für 2011) übersteigt und einen Betrag von € 22.441,20 (für 2011) nicht übersteigt. Der Zuschuss entspricht dem Pflichtversicherungsbeitrag der an die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft gezahlt wird, ist allerdings mit einem Betrag von höchsten € 1.350,00 (für 2011) pro Jahr begrenzt.

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LINKS

 

Bundesministerium für Finanzen

Künstlersozialversicherungsfonds

Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft

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