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"Der Oger"

Veza Canetti
Veza Canetti, © Franz Baermann Steiner (um 1952) 
Veza Canetti, © Franz Baermann Steiner (um 1952)Veza Canetti, © Franz Baermann Steiner (um 1952)
 

Regie und Bühne: Alfred Haidacher
Premiere am 11. Mai 2005 im Theater im Keller

„Der Oger“ erzählt vom Aufstieg eines jungen Kapitalisten zum einfl ußreichen Vorzeigemanager in Wien nach dem Zusammenbruch der Monarchie. Der Gesellschaftslöwe, der selbstverständlich auch politisch einfl ußreich ist, steigt zum Liebling der Stadtsociety auf, gilt als Wohltäter und Eventveranstalter der Extraklasse.
Veza Canettis Stück zeigt, anhand des Blickes auf den Bereich des Privatlebens des Turbokapitalisten Iger, wie zerstörerisch die sogenannte freie Wirtschaft auf das einzelne Individuum einwirkt und macht klar, daß wirtschaftliches Wachstum allzu oft auf dem Rücken der Schwachen gedeiht. Während Iger reicher und (einfluß)reicher wird, zerstört der Oger, der Iger eben auch sein muß, um diesen Aufstieg überhaupt durchführen zu können, Frau und Familie des Topmanagers. Veza Canetti glaubte zeitlebens an die Qualität ihres Stückes, durfte aber selbst keine Aufführung miterleben.
Vor dem Hintergrund der antisozialen, antisolidarischen Maßnahmen, welche die (nicht nur) europäische Wirtschaft gegenwärtig den Volksvertretungen aufzwingt, gewinnt das Stück erschreckende Aktualität.

„Sie hielt es für das Beste, was sie geschrieben hatte. Es war das erste Mal, daß sie mir etwas zeigte, ohne zu beteuern, daß sie nichts davon halte. Ich hatte sie auf jede Weise zum Schreiben ermuntert: Ich lobte mit Überzeugung, was sie mir zeigte und mußte es gegen sie verteidigen. Sie war lange entschlossen, nichts von ihren Sachen zu halten. Die Gründe zu dieser Attitüde habe ich im Vorwort zur >Gelben Straße< angedeutet. Beim  >Oger<  zum ersten Mal sah sie mir übermütig ins Gesicht und sagte: „Das wird Dir wirklich gefallen!“ Sie dachte gleich an eine Aufführung und wünschte sich Max Pallenberg für die Hauptrolle.“

(Elias über Veza Canettis „Oger“)

 
Elias über Veza Canetti:
Elias und Veza Canetti, © Hanser Verlag.JPG 
Elias und Veza Canetti, © Hanser Verlag.JPGElias und Veza Canetti, © Hanser Verlag.JPG
 

„Es ist unnatürlich, daß heute über Vezas Schreiben nichts bekannt ist. Sie hat gleich gut begonnen, sie schrieb mit Witz und Schärfe. Ihre Erzählungen, obschon sie von Mitgefühl für benachteiligte Menschen diktiert schienen, waren zu knapp und zu scharf, um sentimental zu wirken. Sie hatte Heines Witz und war von seiner Prosa beeinfl ußt. Sie mochte kurze, pointierte Sätze, ihr Stil war aphoristisch, selbst in ihren Erzählungen war unverkennbar, was sie am liebsten las. Sie, die Leidenschaft und Überschwang für viele hatte, trachtete danach, im Schreiben möglichst wenig davon merken zu lassen.“
(Elias Canetti im Vorwort zu Veza Canettis „Die Gelbe Straße“, 1989)

„Und dann, vor zwei Jahren das Schönste: Vezas Name auf Büchern, auch in anderen Sprachen – Veza, die nun deinen Namen trägt und für immer mit dir vereint bleibt –, ist das nicht das Wunderbarste, diese Auferstehung 27 Jahre nach ihrem Tod?“
(„Aufzeichnungen 1992-1993“)

 
Film "Elias Canetti - Ich bin ein spanischer Dichter in deutscher Sprache"
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